Kurz gesagt: Aufstocker arbeiten und beziehen ergänzend Grundsicherungsgeld, weil ihr Einkommen den Bedarf nicht deckt. Angerechnet wird nur das Netto abzüglich Erwerbstätigenfreibetrag, deshalb lohnt sich jede Stunde. Am meisten bleibt im Bereich 520 bis 1.000 Euro Brutto (30 Prozent Behaltequote). Der Anspruch endet an der Aufstockergrenze, für einen Alleinstehenden mit 400 Euro Warmmiete bei rund 1.311 Euro Brutto.
Was Aufstocken bedeutet
Wer erwerbstätig ist, aber mit dem Lohn nicht auf den Bedarf seiner Bedarfsgemeinschaft kommt, hat weiter Anspruch auf Grundsicherungsgeld und stockt damit auf. Das ist kein Sonderfall, sondern gesetzlich so gewollt: Arbeit soll sich lohnen. Dafür sorgt der Erwerbstätigenfreibetrag nach § 11b SGB II, der einen Teil deines Verdienstes anrechnungsfrei stellt.
Die Kerngleichung bleibt dabei immer gleich: Anspruch = Regelbedarf + Mehrbedarf + Kosten der Unterkunft minus anrechenbares Einkommen. Angerechnet wird nicht dein volles Netto, sondern nur der Teil oberhalb des Freibetrags. Solange ein Anspruch besteht, gilt exakt: verfügbar = Bedarf plus Freibetrag. Der Freibetrag ist also das Plus, das dir das Aufstocken bringt.
Die Behaltequote je Lohnstufe
Der Freibetrag wird gestaffelt am Brutto berechnet. Entscheidend für die Frage, ob sich mehr Stunden lohnen, ist die Grenz-Behaltequote: wie viel von jedem zusätzlichen Euro Brutto im Haushalt bleibt.
| Brutto-Bereich | anrechnungsfrei | Behaltequote je Euro |
|---|---|---|
| 0 bis 100 € | voll frei | 100 % |
| 100,01 bis 520 € | 20 % | 20 % |
| 520,01 bis 1.000 € | 30 % | 30 % |
| 1.000,01 bis 1.200 € (ohne Kind) | 10 % | 10 % |
| 1.000,01 bis 1.500 € (mit Kind) | 10 % | 10 % |
Die attraktivste Zone ist damit klar: zwischen 520 und 1.000 Euro Brutto behältst du 30 Cent je zusätzlichem Euro. Wer von einem Minijob in eine kleine Teilzeit wechselt, landet genau hier. Alle Stufen mit Rechenbeispielen stehen im Artikel Freibeträge 2026.
Teilzeit durchgerechnet: alleinstehend, 400 Euro Warmmiete
Bedarf: 563 Euro Regelbedarf plus 400 Euro Warmmiete, also 963 Euro. So entwickelt sich der Haushalt mit steigender Teilzeit (Näherung Netto gleich Brutto):
| Brutto | Freibetrag | angerechnet | Grundsicherungsgeld | verfügbar gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 0 € | 0,00 € | 0,00 € | 963,00 € | 963,00 € |
| 450 € | 170,00 € | 280,00 € | 683,00 € | 1.133,00 € |
| 538 € (Midijob-Start) | 189,40 € | 348,60 € | 614,40 € | 1.152,40 € |
| 800 € | 268,00 € | 532,00 € | 431,00 € | 1.231,00 € |
| 1.000 € | 328,00 € | 672,00 € | 291,00 € | 1.291,00 € |
| 1.200 € | 348,00 € | 852,00 € | 111,00 € | 1.311,00 € |
| 1.311 € (Aufstockergrenze) | 348,00 € | 963,00 € | 0,00 € | 1.311,00 € |
Man sieht: Jede Stufe hebt das verfügbare Gesamteinkommen an, nie sinkt es. Bei 1.311 Euro Brutto deckt das angerechnete Einkommen den Bedarf genau, ab hier fällt das Grundsicherungsgeld weg. Deinen eigenen Fall rechnet der Grundsicherungsgeld-Rechner durch, der Zuverdienst-Optimierer zeigt Behaltequote und Aufstockergrenze für genau deinen Haushalt.
Wo die Aufstockergrenze wirklich liegt
Die 1.311 Euro gelten nur für diesen einen Haushalt. Die Grenze verschiebt sich mit jedem Bedarfsposten nach oben:
- Höhere Miete hebt den Bedarf und damit die Grenze direkt an.
- Mehrbedarf (Alleinerziehende, Schwangerschaft) zählt voll zum Bedarf.
- Kinder im Haushalt erhöhen den Bedarf und dehnen außerdem die 10-Prozent-Stufe bis 1.500 Euro Brutto aus.
Ein Beispiel mit Kind: Paar mit einem Kind (6 bis 13) und 900 Euro Warmmiete hat einen Bedarf von 2.302 Euro. Nach Abzug des voll angerechneten Kindergelds von 259 Euro liegt die Aufstockergrenze erst bei rund 2.421 Euro Brutto. Familien können also deutlich mehr verdienen und trotzdem aufstocken.
Ein wichtiger Hinweis zu Brutto und Netto
Angerechnet wird immer das Netto, der Freibetrag wird am Brutto bemessen. Bei einem Minijob sind beide Werte gleich. Ab dem Midijob-Bereich (Start bei rund 538 Euro) fällt das Netto wegen der reduzierten Sozialabgaben aber unter das Brutto. Da weniger Netto angerechnet wird, fällt dein Anspruch dann sogar etwas höher aus als in der vereinfachten Tabelle oben, und die echte Aufstockergrenze liegt etwas höher.
Der Optimierer rechnet zur Übersicht mit Netto gleich Brutto. Für eine belastbare Zahl trage im Rechner dein tatsächliches Netto ein. Und egal wie die Abzüge ausfallen: Die Behaltequote sorgt dafür, dass Arbeit den Haushalt nie schlechter stellt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Aufstocken beim Grundsicherungsgeld?
Du arbeitest und bekommst trotzdem ergänzend Grundsicherungsgeld, weil dein Einkommen den Bedarf nicht deckt. Angerechnet wird nur das Netto abzüglich Freibetrag.
Wann lohnt sich Teilzeit am meisten?
Zwischen 520 und 1.000 Euro Brutto. Dort bleiben von jedem zusätzlichen Euro 30 Prozent anrechnungsfrei, das ist die höchste Behaltequote der Staffel.
Bis zu welchem Einkommen kann ich aufstocken?
Bis das angerechnete Einkommen den Bedarf deckt. Alleinstehend mit 400 Euro Warmmiete liegt diese Grenze bei rund 1.311 Euro Brutto, mit Kindern und höherer Miete deutlich später.
Wird Brutto oder Netto angerechnet?
Das Netto nach Abzug des Freibetrags. Der Freibetrag selbst wird am Brutto berechnet. Beim Minijob sind Brutto und Netto gleich, ab dem Midijob liegt das Netto darunter.
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